Links am 28.09.2008 letztmals aktuallisiert. Der Text unten stammt vom 11.04.2005.
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Die finale Ölkrise - fossile Brennstoffe, vor allem Erdöl, sind endlich und eine Verknappung ist absehbar.
Wie lange haben wir noch Erdöl? Statistisch rund 40 Jahre. Klingt gut? Ist es nicht wirklich. Die entscheidendere Frage ist: Ab wann wird sich das Erdöl verknappen und die Produktionsspitze (= der "Peak Oil") überschritten werden? Bald! Wenn nicht gerade jetzt - der Ölpreis steigt schon... .
Eine Zusammenstellung.
zuerst ausgewählte LINKS:

 
  • empfohlene Artikel:
    Publikationen von Rudolf Rechsteiner (SP-Nationalrat, Basel), unter anderem wärmstens zu empfehlen:  
    Publikationen von Jörg Schindler & Werner Zittel (L-B-Systemtechnik GmbH) der Betreiber von energiekrise.de, hier eine Linkliste:  
    Wikipedia-Einträge als guter Einstieg:: «Erdöl», «Peak Oil», «Ölkrise», «Energie»  
     
  • Neuigkeiten aus dem Internet (chronologisch als Zeitmarker der Geschichte):
  • des weiteren:
 
 
  • aktuelle Rohölpreise und Grafiken verschiedener Rohölsorten (die Preis-Spots korrelieren zwar stark, aber auf verschiedenen Niveaus):
    • tecson.de - Graphik aus rechenerischem Mittel von "Arabian Light" (Saudi Arabien) und "North Sea Brent" (Nordsee)
    • wtrg.com - Graphiken von "Brent" (in London gehandelt) und "NYMEX"/"WTI" (in New York gehandelt)
    • bloomberg.com - Preise von Energieträgern, laufend aktualisiert..
    • nymex.com - Preise von Energieträgern des " New York Mercantile Exchange".
      Prognosen über die Ölpreisentwicklung:
    • Ein Ölpreis zwischen 50 $ bis $ 76.60 für 2007(NZZ, 23.12.2006). Das ist Ende 2006 die Spannbreite der Voraussagen von 35 Analytikern.
    • Im Blickpunkt Ölpreis - Prognose der Raiffeisenbank für die Entwicklung des Ölpreises:
      vom 8. März 2006, 15. Juli 2005, 24. März 2005 und dem 21. Mai 2004.
      Etwas gar optimistisch, diese Wirtschaft.... - Zweckoptimismus, dürftige Grundlagen oder kalkulierte Falschinformation? Die Realität scheint die sicherlich gutbezahlten Analisten laufend einzuholen. Peinlich.
      News, die letzten Meldungen aus dem Internet:
Links die man NICHT findet:

 

Leider habe ich keinen Artikel gefunden, der glaubhaft und überzeugend die Prognosen der "Pessimisten" wiederlegen kann. Die Argumente von all denjenigen, die behaupten, die Versorgung mit Erdöl sei bis ins Jahr 2050 und darüber hinaus gesichert, sind immer dieselben und nie überzeugend. So wird jeweils auf die sich fortlaufend verbessernden Erkundungs- und Fördertechniken und die sich vermehrenden Reserven fokusiert. Die viel wesentlichere Frage nach der technischen Verfügbarkeit von Erdöl wird vollumfänglich ausgeblendet. Die Menge der Reserven sagt nämlich überhaupt nichts darüber aus, wieviel Öl in 10 oder 20 Jahren gefördert werden kann. Hingegen hängt der Ölpreis bald weitgehend von der Verfügbarkeit von Erdöl ab. In der Vergangenheit wurde diese "künstlich" gesteuert, z.B. dadurch, dass die OPEC-Staaten ihre Förderquoten senkten, um den Ölpreis zu stützen, da es technisch kein Problem war, mehr Erdöl zu fördern als der Markt brauchte (Stichworte: Ölschwemme, Quotenkrieg). Die Nachfrage steuerte das Angebot. Das wird sich aber bald ändern und es wird das Angebot (= die Verfügbarkeit) die Nachfrage steuern und damit den Ölpreis diktieren, da die förderbare Menge den weltweiten Bedarf nicht mehr befriedigen kann. Da spielt es absolut keine Rolle, ob die Reserven statistisch gesehen für 30, 40 oder gar 100 Jahre reichen, denn die Reichweite sagt nichts darüber aus, wie rasch und zu welchem Preis das Erdöl in Zukunft förderbar sein wird!
Die Öllobby lenkt bewusst von dieser Problematik ab - kein Wunder, denn ihre in Aussicht stehenden, saftigsten Gewinne sind akut bedroht, wenn aus Angst vor einem hohen Ölpreis frühzeitig und vorausschauend Alternativen gefördert würden, um so die Abhängigkeit vom sich verteuernden Erdöl zu verringern. Also versucht sie mit allen Mitteln Versorgungssicherheit auf lange Zeit hinaus zu kommunizieren.

Man lese z.B. den Artikel "Wie weit reicht unser Öl?" (pdf) in der Broschüre "Brennpunkt" vom August 2002 der schweizerischen "Informationsstelle Heizöl".

Hier (pdf) ein Link zu einem Beispiel der die Argumente der Ölloby kurz zusammenfasst. Die wesentlichen Argumente, die sie für eine in den nächsten Jahrzehnten (und darüber hinaus) gesicherte Ölversorgung hervorbringt sind:

  • "Der Bedarf für die nächsten 47 Jahre ist bereits heute gesichert und leicht förderbar"
    Kommentar: Statistisch gesehen stimmt die Aussage (fast) - man kennt heute gesicherte Reserven, die den heutigen Verbrauch während gut 40 Jahren aufrecht erhalten könnten. Das Problem ist nur: man kriegt das Öl (zum Glück) nicht rasch genug aus dem Boden. Das bedeutet, dass die Erdölförderung nicht mehr lange auf dem heutigen Niveau gehalten werden kann und schon bald (spätestens in 10-15 Jahren, wahrscheinlich in den nächsten Jahren) zu sinken beginnt.
     
  • "Immer wieder werden neue Vorkommen entdeckt, die mit der verfügbaren Technologie leicht förderbar sind."
    Kommentar: Das stimmt, nur werden die neu gefundenen Vorkommen immer kleiner. Ein grosses Feld zu finden ist viel einfacher als ein kleines - logisch (man denke an das Spiel "Schiffchen versenken") - weshalb alle grossen Felder schon lange gefunden wurden. Das zeigt folgende Tatsache: 1% der heute bekannten Ölfelder beinhalten ca. 75% des bisher gefundenen Erdöls und diese alten Felder wurden zumeist vor mehr als 30 Jahren entdeckt! Man findet heute eine Nadel im Heuhaufen, aber es bleibt immer noch eine kleine Nadel... .
    In den letzten 20 Jahren wurde in keinem Jahr (ausser 1992) mehr Erdöl gefunden als verbraucht wurde! Sind in dieser Zeit die offiziellen Reserven ungefähr gleich geblieben, so war dies in erster Linie auf (z.T. fragwürdige) Neubewertungen der vorhandenen Reserven zurückzuführen, ohne dass ein einziger Tropfen neu gefunden wurde ("politische Reserven"). Auch wurden vermehrt seit langem bekannte, unkonventionelle Vorkommen dazugerechnet (v.a. Kanadas Ölsande im Jahr 2002). Diese sind aber definitiv nicht leicht förder-, resp. abbaubar!
     
  • "Es existieren große Mengen in quasi gebundener Form – in Teersanden, Ölsanden, Ölschiefern oder in Form von Schweröl, die den derzeitigen weltweiten Bedarf bis ins nächste Jahrhundert decken."
    Kommentar: Es existieren tatsächlich riesige Reserven von sog. unkonventionellem Erdöl, vor allem in Venezuela und Kanada, die zum Teil bald wirtschaftlich förderbar sein können, z.T. sind es die günstigsten Vorkommen bereits. Aber es gibt einige Probleme zu berücksichtigen:
    • Der Aufwand zur Ölgewinnung ist sehr gross und die Kosten entsprechend hoch.
    • Der Abbau von Ölsanden, die das grösste Potential aufweisen, benötigt Unmengen an Wasser und erzeugt lokal enorme Umweltschäden.
    • Ein grosser Teil der gewonnenen Energie wird bei der Gewinnung gleich wieder verbraucht, der Nettoenergieertrag ist deshalb gering (für einen grossen Teil der Reserven, insbesondere von Ölschiefern, wohl sogar null oder negativ - sie werden kaum je wirtschaftlich förderbar sein).
    • Dementsprechend ist die Ökobilanz viel schlechter als bei konventionellem Öl. Im Angesicht der Klimaerwärmung nicht eben schöne Aussichten.
    Eine weitere Tatsache ist: auch diese schweren, zähflüssigen Öle werden nicht genügend rasch förderbar sein, um das Versiegen der zahlreichen konventionellen Lagerstätten zu kompensieren. Das Öl aus den riesigen unkonventionellen Lagerstätten ist auch mit grossem Aufwand nur langsam verfügbar. Die Produktion im Tagbau ist nicht mit konventioneller Fördertechnik per Bohrloch zu vergleichen. Man lese "Ölsande in Kanada – Eine Alternative zum konventionellen Erdöl?" (pdf, Oktober 2003).
     
  • "Innovationen zur Förderung neuer Vorkommen sind absehbar."
    Kommentar: Natürlich können mit besserer Technik Tiefwasser-Vorkommen und Polares Öl neu angegangen und bereits angezapfte Ölfelder effizienter (und rascher) ausgebeutet werden. Den Niedergang der weltweiten Erdölförderung wird man aber auch so nur leicht abschwächen, geschweige denn aufhalten können. Modernste Technik kann vieles erreichen, aber nicht Erdöl fördern wo es keines hat, denn ausserhalb eines Ölfeldes hat es nicht etwa etwas weniger Erdöl, nein, es hat überhaupt keines! Da nützt die beste Technik nichts.

Habt ihr's gemerkt? Die Aussagen stimmen (ausser der Kernaussage) alle, nur dass zum einen nur die halben Wahrheiten ausgedrückt werden und zum anderen die viel wesentlicheren Fragen nach der technischen Verfügbarkeit, dem Preis, aber auch der Ölqualität und der Ökobilanz, gar nicht erst angeschnitten werden. Ziemlich geschickt, aber auch verlogen.

Nachtrag:
Rundschau auf SF1 vom 7.9.2005:
Oel-Engpass (.rm-Video, 6:57min) und Auf dem Stuhl: Rolf Hartl (.rm-Video 9:28min)
Da frage ich mich: ist das seriöser Journalisums? Da wird im Bericht wiederholt erwähnt, welch verheerende Wirkung der Hurrikan "Katrina" auf den Ölpreis hat, als wäre alleinig dieser für den hohen Ölpreis verantwortlich. Es wird ein Leo Schrutt, Chefanalist bei der Bank Julius Bär, gezeigt, der zuoberst auf einer seit längerer Zeit steil ansteigenden Kurve den weiteren Anstieg als Folge des Wirbelsturms deutet. Warum stieg er den bereits zuvor? Seine Erklärung hierfür: Der Ölpreis steigt unter anderem, weil es zuwenig Raffinerien hat. Aha. Aber da frage ich mich: die wandeln Rohöl ja nur um und produzieren doch kein Öl! Wenn es also zuwenig Raffinerien gibt, dann sollte dadurch die Nachfrage und somit auch der Ölpreis fallen und nicht steigen. Und so liesse sich auch erklären, weshalb der Ölpreis wieder runtergekommen ist - wie Leo Schrutt seine eigene Aussage ja auch gleich selbst Lüge straffend kommentiert. Und Rolf Hartl? Der kommt mit dem selben Strickmuster und Moderator Reto Brennwald ist leider nicht genügend versiert und informiert um die heiklen Punkte ansprechen zu können - nein, er spielt dem Geschäftsführer der schweizerischen Erdöl-Vereinigung leider sogar mit den Argumenten in die Hände... .
Es hätte viele delikate Fragen gegeben: Wie ist es denn nun mit diesem Bezug Raffinerieengpässe - Rohölpreis? Warum wurde nicht mehr in Raffinerien investiert - könnte es nicht sein, dass die Ölmultis wissen, dass sich bei bald sinkendem Umsatz die Investitionen nicht lohnen? Oder: Was hat er zu "Peak Oil", der Huppert-Kurve und der sich öffnenden Versorgungslücke zu sagen? Wie erklärt er sich, dass die "selbsternannten Propheten" (=Geologen), wie er sie nennt, die momentane Verteuerung des Energiepreise vorausgesagt haben, während die Wirtschaftsexperten mit ihren Prognosen offensichtlich völlig falsch lagen (und z.T. noch liegen)? Wie sieht er seine Verantwortung für die Klimaerwärmung? Wie begründet er den fragwürdigen Slogan "Heizen mit Öl - entschieden richtig? Wie steht es mit der Zukunft der Schweiz und der Abhängigkeit vom ausländischen Erdöl? Nichts von dem wird angesprochen - schade.
Ein paar wichtige Grafiken:


Die sich öffnende Lücke zwischen Erdölfördermenge und dem konventionellen Erdöl, welches Jahr für Jahr neu gefunden wird (nach der Prognose von Campell 2002 - bei der Neubewertungen auf den Fund der jeweiligen Ölfelder rückdatiert wurden). Während die Tendenz der Erdölproduktion immer noch nach oben zeigt, ist der Trend bei den Neuentdeckungen von billigem, konventionellem Erdöl seit den 60er Jahren im Sinken begriffen. Seit 1980 decken die Neufunde den Verbrauch nicht mehr, und die Menschheit "zerrt" von den zuvor entdeckten Öllagerstätten - die Reserven schrumpfen. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen. Nach dem Maximum der Neuentdeckungen muss ein Maximum bei der Förderung folgen, der sogenannte "Peak Oil". Dass dieser nicht bereits in den 90er Jahren überschritten wurde, ist nicht zuletzt eine Folge der beiden Ölkrisen 1973 und 1979/1980, die den Industriestaaten erstmals die Konsequenzen ihrer Abhängigkeit vom Erdöl und damit der OPEC ("Organisation of Petroleum Exporting Countries")-Staaten vor Augen führte. Als Folge davon wurde, wie in der Grafik oben sichtbar, der Trend des ungebremsten Anstiegs der Ölproduktion stark gebremst. Auf offizieller Seite steigen die Reserven nach wie vor Jahr für Jahr, da Neubewertungen nicht rückdatiert werden und vermehrt unkonventionelles Erdöl (aus Kohle, Ölschiefer und -sanden, Gas etc. und der Tiefsee/den Polarregionen) einbezogen wird (in der Grafik oben nicht enthalten). Dieses ist jedoch teuer, ökologisch bedenklich, der Nettoenergieertrag ist deutlich geringer, die Qualität meist schlechter und es ist nicht so rasch förderbar. Dies zeigt: die Qualität der Reserven muss auch berücksichtigt werden!
Die gestrichelte Kurve (gelb) im Rolloverbild zeigt den spekulativen Verlauf, der bei einem uneingeschränkten Zugang zu den konventionellen Förderquellen technisch möglich gewesen wäre (Hubbert-Kurve) - der Peak Oil wäre deutlich früher erreicht worden und wir befänden uns bereits auf dem absteigenden Ast der Förderkurve. Was lernen wir daraus? Was wir heute nicht ver(sch)wenden bleibt späteren Generationen erhalten.
Dies ist eine sog. "pessimistische" Prognose, die den Peak Oil für konventionelles Erdöl um das Jahr 2007 sieht (und bald überprüfbar sein wird - was ihr um so mehr Gewicht verleiht). Andere Experten, wie auch die Erdölmultis sehen ihn "erst" in den Jahren 2015 bis 2020, während die amerikanische Energiebehörde (USGS) in ihrer Prognose 2000 den Peak mit 50% Wahrscheinlichkeit im Jahre 2037 voraussagt - wobei viel von ihrer Glaubwürdigkeit verloren geht und sie sich endgültig als langer Arm der Ölwirtschaft geoutet hat. Der Grund für die unterschiedlichen Prognosen ist weniger im unsicheren Datenmaterial, als vielmehr in der Interpretation und Gewichtung der oben erwähnten Tatsachen zu suchen. Diesen Ermessensspielraum nützt die Öllobby verständlicherweise zu ihren Gunsten aus. Sie hat alles Interesse daran, eine sich abzeichnende, baldige Ölverknappung nicht ins Bewusstsein der Leute gelangen zu lassen. Denn dann würde bald niemand mehr ohne weiteres eine Ölheizung einbauen, oder ein Auto mit hohem Spritverbrauch kaufen - man würde sich nach Alternativen umschauen. Die Folge wäre, dass die Abhängikeit vom Erdöl abnähme, bevor der Ölpreis als Folge einer Verknappung stark zu steigen anfangen würde! Es ist zu befürchten, dass die Öllobby mit ihrer Strategie bereits den Erfolg für sich verbuchen kann: seit der Ölpreis seit 2003 kräftig angezogen hat, schnellen auch die Kurse der Ölmultis in die Höhe (siehe hier). Es könnte also durchaus so sein, dass der Zeitpunkt vorauschauend auf sparsame Technik zu setzen weitgehend vertan ist und es bald der Markt richten muss - was viel schmerzlicher sein wird! Das ist ähnlich wie bei den billigen Tintenstrahldruckern oder Kaffeeautomaten: wenn man ein Gerät angeschafft hat, muss man fortan das masslos überteuerte Verbrauchsmaterial bezahlen (wobei das Erdöl ja erst teuer wird!). Besser man überlegt es sich vor dem Kauf. Zum Glück gibt es auch eine gute Seite: die Angst der Öllobby zeigt uns etwas: unser Einsparpotential ist enorm. Lasst es uns nutzen!

Eine Grafik, die zeigt, von wo das konventionelle Erdöl (inkl. NGL= "Natural Gas Liquids", schweren, leicht verflüssigbaren Bestandteilen des Erdgases) herkommt, resp. in Zukunft voraussichtlich herkommen wird. Es wird aufgezeigt, dass der generelle Trend bald nach unten zeigen wird - ob bereits in den nächsten Jahren oder etwas später sei dahingestellt. Lichtblicke, die den Abwärtstrend abremsen, sind Russland ( "dank" dem Zusammenbruch der Wirtschaft in den 90er Jahren) und unkonventionelles Erdöl (in der Grafik: NGL, Tiefwasservorkommen, Polares Öl und Schweröl), welches mit einem hohen Ölpreis wirtschaflich gefördert werden kann. All diese Vorkommen werden den Peak Oil nur etwas hinausschieben (wohl um ca. 5 Jahre - von 2005 auf 2010), der darauffolgende Abwärtstrend werden sie nicht aufhalten können. Sehr schön ist in der Grafik auch der Peak Oil der USA (ohne Alaska) Anfang der 70er zu sehen, der die Theorie belegt.
Das Rolloverbild zeigt, wie sich die prozentualen Anteile der verschiedenen Länder an der Weltrohölproduktion mit den Jahren verschoben haben und gemäss einer Prognose von Campell 2003 noch verschieben werden. Eindrücklich, wie die USA (ohne Alaska, da das Öl dort als polares Erdöl dem unkonventionellen Erdöl zugeschrieben wird) an Bedeutung verloren hat. Der Blick in die Zukunft zeigt eine wachsende Abhängikeit vor allem von den Golfstaaten auf (insbesondere von Saudi Arabien und dem Irak).
FACTS und ein paar GEDANKEN:

Zum Teil bereits vorweggenommen, führen wir es noch etwas aus.

Die Geologie gibt klar vor, wo überhaupt Erdöl gefunden werden kann - und wo nicht. Unsere Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, dass das Öl einfach da ist, wie Wasser, das unablässig unsere Flüsse runtersprudelt, wie eine technische Innovation, die zu einem natürlicher Bestandteil unserer Welt gehört. Ein unerschütterlicher Technikglaube, die beschwichtigenden Worte zahlreicher Politiker und Wirtschaftskreise, Zukunftsprognosen, die eine unbeirrt wachsende Weltwirtschaft (vor allem in Asien) zeichnen und schlussendlich schlichtes Wunschdenken, haben dazu geführt, dass selbst heute, wo wir am Wendepunkt des Erdölzeitalters, dem "Peak Oil", stehen, das Bewusstsein der nahestehenden, finalen Ölkrise nicht annähernd die breite Masse erreicht hat. "Hei Leute, aufwachen!!!", möchte man da rufen. Es ist nun endgültig an der Zeit in nachhaltige(re) Energien und Effizienz zu investieren, um frühzeitig für die kommenden Umwälzungen gerüstet zu sein. Dies im Wissen, dass Erdöl in absehbarer Zeit nicht ersetzt werden kann: was füllt man in sein Auto, wenn nicht Benzin oder Diesel? Die vielbeschworene Wasserstoffwirtschaft wird in Sachen Effizienz und Kosten nie mit billigem Benzin von heute gleichziehen können. Da Wasserstoff ein Energieträger, jedoch keine Energiequelle ist (Erdöl ist ja beides), bleibt die Frage woher die Energie in genügender Menge herkommen soll. Erdgas ist wie Erdöl ebenfalls nur limitiert vorhanden und Strom haben wir auch nicht im Übermass, unter anderem weil Uran, so problematisch es ist, ebenfalls nur für begrenzte Zeit verfügbar sein wird und Kohle (natürlich ebenfalls endlich vorhanden - trotz grossen Reserven) ökologisch bedenklich ist. So bleiben am Ende nur die nachhaltigen, erneuerbaren (korrekter: regenerativen) Energiequellen, wie Windenergie, Wasserkraft, Sonnenenergie, Geothermie sowie verschiedene Arten von Biomasse. Die geben aber vorderhand nicht so viel her wie Erdöl (und Kohle/Erdgas), da deren Dichte zu gering und der Platzbedarf zu gross ist. So müssen wir auch lernen bescheidener zu Leben - und dürfen nicht versuchen uns so lange wie möglich an den Lebensstandard der heutigen Überfluss- und Wegwerfgesellschaft zu klammern, wie dies (neben uns) die USA zur Zeit der Welt vormacht. Sie zeigt wohin dies führen kann (Stichwort Golfkriege - im mittleren Osten/ kaspisches Meer finden sich rund 70% der weltweiten Erdölreserven, mit dem Irak mittendrin - sehr genau wissen dies die im Ölbusiness gross gewordenen George W. Bush und Dick Cheney ein pdf-Artikel hierzu). Was nicht verhindert werden kann: die Abhängikeit von den OPEC-Staaten nimmt, nach einer Pause von rund 15 Jahren (1985-2000), wieder zu - nicht zuletzt weil nun auch die Nordsee den "Peak" überschritten hat. Ein Trend der sich nur dann brechen liesse, wenn die Reserven in den OPEC-Ländern, was einige befürchten, viel kleiner wären als von diesen angegeben - was natürlich noch weniger wünschenswert wäre - oder weil die Weltkonjunktur einbricht und dadurch die Nachfrage sinken würde. Auch keine schöne Option, aber eine wahrscheinliche und sicher wahrscheinlicher, als dass die Abhängigkeit durch ein frühzeitiges Umsteigen der westlichen Länder auf regenerative Energien verringert würde.

Wie wird man in ein paar hundert Jahren auf die Zeit 1900-2100 zurückschauen? Auf eine, aus heutiger Sicht erschreckend kurze Periode, in der die Menschheit aufgezeigt hat, dass sie mit den Ressourcen der Erde nicht umgehen kann? Ich glaube nicht einmal, dass man uns wegen dem masslosen Verbrauch von Erdöl und anderen fossilen Energieträgern von heute verurteilen wird, denn der grobe Verlauf der Erdölgeschichte und das Erreichen des "Peak Oil" ist und war vorgegeben. Man wird sich aber wundern wie spät auf die nahe Krise reagiert wurde, wo sie doch leicht vorhersehbar war.
Schlussendlich wird man froh sein müssen, dass die Zeit der umweltschädlichen, fossilen Brennstoffe vorüber ist, und dass das Weltklima nicht noch gänzlich aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann. Man stelle sich vor, die fossilen Brennstoffe wären unbegrenzt vorhanden. Die Zukunft sähe (Kohlen-)Rabenschwarz aus! Und so sind wir (oder besser gesagt: unsere Nachkommen) denn plötzlich froh, dass die fossilen Ressourcen endlich sind und zur Neige gehen werden. Etwas Zynisch ausgedrückt: je rascher das Zeitalter der fossilen Energieträger zu Ende geht, desto besser.

Was sollte man heute unternehmen um der finalen Ölkrise entgegenzutreten? Da leider alles nur über das Geld geregelt werden kann, sehe ich nur einen Weg: die Steuern auf fossile Energieträger müssen jetzt, da das Öl noch billig ist, massiv erhöht werden. Dadurch würde der Druck, frühzeitig auf alternative Energiequellen umzusteigen und Energie effizienter und sparsamer zu nutzen, erhöht, und der Erlös könnte in die Zukunft, sprich alternative Energiequellen und neue Technologien, investiert werden. Wir wären deutlich besser für die Zukunft gewappnet und auch gegenüber all denjenigen wettbewerbsfähiger, die die Zeichen der Zeit nicht frühzeitig erkannt haben. Auch würde die Abhängikeit von den ölexportierenden Ländern verringert. Da das Geld einer Steuer im Land bliebe, wäre kein wesentlicher Nachteil für die Wirtschaft zu erwarten - im Gegenteil: würde auf diese Weise zu einem sparsameren Verbrauch motiviert, würden die ins Ausland fliessenden Mittel für die sich verteuernden fossilen Energieträger gesenkt und der Binnenmarkt gestärkt werden. Angeeignetes Know-How liesse sich im Ausland vermarkten. Als direkte Massnahme zur Förderung der regenerativen Energiequellen sollte es garantierte Mindestpreise für Strom aus erneuerbaren Energien geben (kostendeckende Vergütung). Des weiteren müssen strengere Vorschriften zur Bekämpfung der Energieverschwendung eingeführt werden - die billigste und umweltfreundlichste Energiequelle ist die Energie-Effizienz! Ohne ausführlich auf erneuerbare Energien einzugehen, muss betont werden, dass das Potential der erneuerbaren Energien nicht zu unterschätzen ist. Sie werden aber nur durch einen enormen Boom die durch das sich erschöpfende Erdöl entstehende Lücke ausgleichen oder zumindest abfedern können. Deshalb ist es so wichtig, heute die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die nötige Infrastuktur möglichst rasch wirtschaftlich erstellt werden kann. Die Zeit drängt.
Es ist erstaunlich, dass energiepolitische Lenkungsmassnahmen heute (Anfang 2005) fast nur in Zusammenhang mit der Klimapolitik diskutiert werden (Stichworte in der Schweiz: CO2-Steuer, Klimarappen). Eine Klimaerwärmung ist zwar sicherlich eine auf längere Zeit viel ernstzunehmendere Bedrohung als die finale Ölkrise, ihre Auswirkungen werden in den nächsten Jahrzenten jedoch (hoffentlich) einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die Weltwirtschaft und den Frieden auf Erden haben. Da die Massnahmen aber in dieselbe Stossrichtung weisen sollten (nachhaltige Energiequellen, ausser man setzt auf die Wasserstoffwirtschaft mit Kohle oder Schweröle als Primärenergieträger...), könnten die Diskussionen durchaus parallel geführt werden. Es ist vorauszusehen, dass, sobald die Ölkrise Realität ist, eine Gewichtung von der Klima- hin zur Energiepolitik stattfinden wird. Dies nicht zuletzt, weil sich verteuernde und verknappende Energieressourcen einem hohen CO2-Ausstoss um ein vielfaches effizienter entgegentreten, als dies politische Massnahmen je durchsetzten könnten. Das gilt jedoch nur unter der Voraussetzung, dass als Ersatz für Erdöl und Erdgas auf regenerative Energiequellen umgestiegen wird - und nicht etwa auf Kohle und Schweröle, bei deren Verbrennung sogar noch viel mehr CO2 ausgestossen wird (72%, resp. 39%) als beim Erdöl und bei deren Erschöpfung man in wenigen Jahrzehnten wieder am selben Punkt wie heute angelangt wäre - ausser, dass das Klima höchstwahrscheinlich vollends aus dem Gleichgewicht gebracht worden wäre! Lasst uns diesen Fehler nicht begehen, sondern die (letzte) Chance nutzen und den bedingungslosen Umstieg auf erneuerbare Energieträger wagen!!!

Auf lange Zeit hinaus wird man in der Schweiz, sehr optimistisch gesehen, wohl mit einem Energieverbrauch auskommen müssen der 2000 Watt Dauerleistung enspricht, was ungefähr dem Niveau in der Schweiz von 1960, sowie dem Weltdurchschnittsverbrauch von heute entspricht. Heute verbraucht ein Schweizer 3mal mehr, also rund 6000 Watt. Zum Vergleich: in den USA sind es gegen 12'000 Watt, in Bangladesh nur 80 Watt. Die zur Verfügung stehende Energie wird also deutlich geringer als heute sein. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist die, das dies irgendwann, ohne allzugrosse Einbussen in der Lebensqualität, mit nachhaligen Energiequellen, höherer Effizienz und Sparsamkeit möglich sein sollte (Siehe die pdf-Broschüre der ETH: "Die 2000Watt-Gesellschaft" vom Januar 2005). Die Schweiz hat das Privileg, dass fast ein Drittel der 2000Watt bereits heute in Form hochqualitativer Wasserkraft-Energie zu Verfügung steht (natürich mit dem Problem verkappter Atomenergie, die in der Nacht dazu verwendet wird Wasser in die Speicherseen hinaufzupumpen, was zwar äusserst gewinnbringend, aber überhaupt nicht nachhaltig ist... ) Heizöl wird man ersetzen können, die Knacknuss wird die Mobilität sein (Auto, Schifffahrt und vor allem die Fliegerei).

Die fossilen Brennstoffe sollten als ein Startkapital für eine bessere Zukunft angesehen werden und nicht als eine hübsche Beigabe zu unserem Planeten, die uns für kurze Zeit ein schönes Leben ermöglicht. Und etwas sollte man nicht vergessen: dieses schöne Leben hat nur eine Minderheit auf dieser Welt. Ein grosser Teil der Menschheit profitiert nur wenig vom fossilen Segen. Es werden dieselben Menschen sein, die von der finalen Ölkrise am stärksten getroffen werden. Ein Preisanstieg wird in erster Linie in den ärmeren Länderen zu einem Nachfragerückgang führen, der wiederum den reicheren Ländern zugute kommen wird: sie werden mehr vom sich verkleinernden Rohstoffkuchen haben und einmal mehr vom Leid der andern profitieren.

Man kann gespannt sein, zu was die Menschheit in ein paar hundert Jahren fähig sein wird, wenn die nicht erneuerbaren Energien weitgehend aufgebraucht sind und die Menschen gezwungenermassen nachhaltig leben müssen. Es wird bestimmt eine bessere Welt sein - ohne die Endzeit- und Ausverkaufsstimmung in der wir uns heute befinden - und vielleicht bequem mit Kernfusion oder anderen neuen Technologien. Schade werde ich diese Zeit nicht erleben, aber es stimmt mich doch optimistisch was unsere Nachkommen betrifft, gäu Föt.

Bis dahin müssen wir aber noch den Niedergang unserer Abfall- und Konsumgesellschaft erleben und dies wird hart werden. Es zeichnet sich ab, dass wir, so unfähig wir sind als Menschheit im Kollektiv global zu handeln, dies nicht schaffen, indem wir uns frühzeitg und vorausschauend auf eine nachhaltigere Lebensweise umstellen, sondern indem wir durch Ressourcenverknappung dazu gezwungen werden. Bücher wie „Die Grenzen des Wachstums" des "Club of Rome" aus dem Jahre 1972 (lese hier mehr) haben die Problematik eigentlich frühzeitig offengelegt, und der Autor, Dennis Meadows, ist heute sogar davon überzeugt, "dass sich angesichts der vorherrschenden politischen, ökonomischen und kulturellen Wertvorstellungen ein Zusammenbruch – ein nicht zu kontrollierendes Absinken der Weltbevölkerung und der industriellen Tätigkeit – nicht mehr vermeiden lässt" ( pdf-Artkel der Aachener Stiftung vom Dezember 2000). Solch pessimistische Aussagen, so übertrieben sie sein mögen, hört man nicht gerne, und das ist wohl auch der Grund, weshalb all die mahnenden Worte so wenig Gehör finden (neben der Tatsache, dass man inzwischen ja bereits 2 Ölkrisen überwunden hat...).

Wir haben uns auf den Gipfel begeben, ohne genug Kraft aufgespart zu haben, um auch den Abstieg sicher bewältigen zu können. Trotzdem ist er zu schaffen. Je früher die Weichen umgestellt werden, desdo besser wird es gelingen. Die Möglichkeiten für eine nachhaltige Welt bestehen und sie sind auch umsetzbar, je länger wir jedoch warten auf regenerative Energieträger umzusteigen, desdo knapper wird die Zeit, desdo härter wird der Fall auf den harten Boden der (nachhaltigen) Realität und desdo grösser werden die Opfer sein. Es muss allen bewusst sein: wir leben je länger je mehr über den Verhältnissen, die uns in naher Zukunft noch zustehen werden. Die Zeit drängt. Wir müssen jetzt handeln. Durch zusätzliche Lenkungsabgaben auf fossile Energieträger und strengere Vorschriften für eine höhere Energie-Effizienz als erste, rasch umsetzbare Schritte. Eine Diskussion und Lösungswege müssen her. Dringend. Sagt es weiter.

11.04.2005 (Text), von Andreas Blum
Ich bin für Meinungen, Korrekturen oder Ergänzungen dankbar.
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